Meydan-e Naqsh-e Jahan – »Esfahan ist die halbe Welt«

Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran

Der zweitgrößte Platz weltweit findet sich in Iran in der Stadt Esfahan und nennt sich Naqsh-e Jahan. Er verbindet den Prunk des Orients mit iranischer Herzlichkeit.

​Schönster Dreh- und Angelpunkt der Stadt Esfahan ist der Meydan-e Naqsh-e Jahan („Meydan“ bedeutet „Platz“). Das UNESCO-Weltkulturerbe ist nach dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking der größte Platz der Welt. Ein persisches Sprichwort besagt, dass Isfahan die halbe Welt sei und der Meydan-e Naqsh-e Jahan stellt eindrucksvoll unter Beweis warum.

Vom persischen Sprichwort zum Abbild der Welt

Offiziell heißt der Platz nunmehr Meydan-e Imam. Aber bei den Einheimischen hat sich der Name bis heute nicht durchgesetzt. Für sie bleibt er das Abbild der Welt,  was als Übersetzung von Meydan-e Naqsh-e Jahan gesehen werden kann. Unter Shah Abbas I. im frühen 17. Jahrhundert wurde der Platz errichtet und seit ein paar Jahren wurden glücklicherweise alle Autos vom Platz verbannt und das einzige Gefährt, auf das man jetzt trifft, sind die zahlreichen Pferdekutschen, die den Platz umrunden. Wenn man Einheimische kennenlernen möchte, ist der Platz eine naheliegende Anlaufstelle. Die Menschenleere an heißen Sommertagen darf nicht täuschen. Wenn die glühend heiße Sonne erst einmal untergegangen ist, befinden sich nicht nur bereitwillig schwitzende Reisende auf dem Platz, denn dann wimmelt es plötzlich nur so von Einheimischen. Jung und alt finden sich hier wieder, um den prunkvollen Ort mit Leben zu füllen.

Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran, Königsmoschee, Masjed-e Shah

Der Platz ist schon etwas ganz Besonders, nicht so wie man es von anderen verstaubten, imperialen Plätzen gewohnt ist: gepflegt, aber menschenleer. Nein, dieser Platz wird von den Menschen Isfahans wirklich angenommen und genutzt. Hier wird gegessen, gelacht, gespielt und auch deswegen ist es einer der schönsten Plätze der Welt. Die Menschen werden nicht auf Rücksicht eines untastbaren Rasens von den Grünflächen vertrieben. Sie sind mit ihren ausgerollten Perserteppichen und dem mitgebrachten Essen Teil des Platzes und bilden so tatsächlich viel besser die Welt ab, als dies einem penibel sauber gehaltenen Platz gelingen könnte. Und die »halbe Welt« zeigt sich von einer ihrer besten Seiten, wenn man auch zu den Picknicks aufgenommen wird, als gehöre man selbst zur Familie. Hier kommt man unweigerlich ins Gespräch mit den Einheimischen und lernt sich und Iran erst richtig kennen. Manchmal ist es gut ein klein wenig Farsi parat zu haben. Wenn auch die große Mehrheit der jungen Iranern und Iranerinnen sehr gutes Englisch spricht, kommt man zwangsläufig auch immer wieder an den Punkt, wo Farsi-Sprachkenntnisse eine nette Unterhaltung über Familie, Interessen und Beruf wesentlich erleichtern können. Auf Kommunikation muss aber auch dann nicht verzichtet werden, wenn die verbindende Sprache zu fehlen scheint. Der Herzlichkeit der Begegnung tut ein enthusiastischer Versuch mit Händen, Füßen und Wortfetzen sich zu unterhalten keinen Abbruch und gerne werden auch schon einmal fremde Englisch sprechende Einheimische hinzugeholt, um beim Übersetzen zu helfen. 

Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran

Masjed-e Lotfollah

Unübersehbar gliedert sich die Moschee (auf Persisch „Masjed“) in die östliche Längsseite des Platzes ein. Um dafür zu sorgen, dass der Gebetsraum unter der großen Kuppel nach Mekka ausgerichtet ist, führt vom Eingangsiwan ein gewinkelter Gang zu ihr. Dieses islamische Bauwerk gilt als einer der schönsten Moscheen in ganz Iran und das, obwohl nicht einmal ein Minarett oder ein großer Hof diese Moschee ziert. Was die Masjed-e Lotfollah so besonders macht, ist ihre mächtige Kuppel, die im Innenraum ihre ganze Pracht entfaltet. Die Fliesenmosaike ergeben in höchster Detailgenauigkeit ein harmonisches Gesamtkunstwerk. Hat man erst einmal den Eingangsbereich der Moschee hinter sich gelassen, lässt sich mit dem Blick nach oben die ganze Schönheit Persiens fassen. Bei der alles dominierenden Farbe Blau der vielen Kuppeln Irans, übersieht man vielleicht auf den ersten Blick, dass der Grundton der Masjed-e Sheikh Lotfollah nicht Blau, sondern Ocker ist und das ist kein Zufall. Als Privatmoschee des Schahs brauchte die Moschee zu einem kein Minarett und zum anderen wurde das rötliche Ocker als Farbe, die den Frauen vorbehalten war, gewählt, weil vor allem Frauen der Familie des Shahs die Moschee besuchten. ​

Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran, Lottfollah,
Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran, Lotfollah

Masjed-e Shah

Im Kontrast zur Masjed-e Sheikh Lotfollah zieren die Masjed-e Shah, Königsmoschee, oder auch Masjed-e Imam genannt, gleich vier Minarette. Die königliche Moschee Shah Abbas I. wurde nach 19-jährigen Bauarbeiten erst ein Jahr nach dem Tod des Shahs fertig gestellt. Schon das Hauptportal mit seinen über 40 Meter hohen Minaretten ist gewaltig. Dieser erste Iwan reiht sich in die viereckige Umbauung des Platzes, während die eigentliche Moschee selbst versetzt gebaut wurde, um die südliche Ausrichtung nach Mekka zu garantieren. Noch höher als die Iwane des Eingangsportals sind die der Gebetshalle, die 48 Meter in die Höhe ragen. Angeschlossen sind an die Moschee auch noch Medressen, theologische Schulen, und damit auch Wohn- und Studienräume. Die himmelblaue Hauptkuppel mit ihren weißen und gelben Flechtmustern umfasst die zentrale Gebetshalle mit ihrer Gebetsnische. Betritt man das Areal der großzügig gestalteten Moschee, sieht man gleich, dass die äußere Pracht innen fortgesetzt wird.​

Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran, Lotfollah

Kakh-e Ali Qapu

Neben der Privatmoschee von Shah Abbas I. und der Königsmoschee ist der Palast des Shahs der Dritte im Bunde, der einen Besuch lohnt. Der Palast Ali Qapu mit seiner großzügigen Veranda liegt gegenüber der Sheikh Lotfollah Moschee. Erst einmal auf der Veranda mit ihren 18 Säulen und ihrem kunstvoll verziertem Holzdach angelangt, hat man einen herrlichen Blick auf den Platz und die Königsmoschee. Damals konnte der Shah von hier die Veranstaltungen beobachten, zu denen auch die unter safawidischer Zeit so beliebten Polo-Spiele gehörten. Aber der zu bestaunende Höhepunkt des Palastes wartet im fünften Stock. Die vielen Stufen des gewundenen Treppenaufgangs hinauf gelangt man schließlich in das sogenannte Musikzimmer. Der Name rührt daher, dass der Raum aufgrund der Gipsnischen und der früher hier untergebrachten Gefäße, für einen guten akustischen Klang sorgt. In diesem Musikzimmer konnten nur kleinere Empfänge abgehalten werden, die größeren fanden im darunterliegenden Thronraum statt. Wie so oft im Iran sind es auch im Ali-Qapu-Palast die Wandmalereien, die begeistern. Neben bekannten floralen Mustern sind auch fliegende Vögel, Sträucher und Bäume zu entdecken.

Meydan-e Naqsh-e Jahan, Esfahan, Iran, Ali Qapu

Alle praktischen Tipps und Infos für einen Besuch des Meydan-e Naqsh-e Jahans und Esfahans findet ihr in meinem Iran-Reiseführer*, erschienen in der Reihe der Stefan Loose Travel Handbücher.

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Mehr bildliche Eindrücke vom ganzen Land findet ihr in der nunmehr zweiten Auflage meines Iran-Bildbands, erschienen bei Bruckmann.

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