Yazd – Ein Traum aus 1001 Nacht

Freitagsmoschee, Masjed-e Jameh, Yazd, Iran

Yazd verzaubert. Die Stadt in Iran bietet alles, was das orientverliebte Herz höher schlagen lässt.

Auf den Dächern der orientalischen Altstadt werden mit einem Schlag alle Träume aus 1001 Nacht wahr. Die Assoziation mit der bekannten Märchensammlung des Morgenlandes ist dabei gar nicht so falsch. Ist Persien doch die Heimat von Scheherazade und ihren Geschichten. 

Eine orientalische Stadt

Die alten Lehmbauten der Altstadt machen den Charme der Wüstenstadt aus. Wie in anderen Medinas auch entsteht nach einer kurzen Zeit der Verwirrung eine Karte im Kopf, die sicher durch die Gassen der Altstadt führt. Das Stadtbild wird geprägt durch die unglaublich vielen unterschiedlichen Windtürmen, die jeden noch so schwachen Windhauch auffangen. Im Inneren des Windturms kühlt die Luft dann merklich ab, bevor sie in die unterschiedlichen Räume der Altstadtbehausungen weitergeleitet wird.

Dreh- und Angelpunkt für Reisende ist natürlich die prächtige Masjed-e Jameh („Masjed“ bedeutet „Moschee“), die Freitagsmoschee. Wieder sind es Blau- und Türkistöne, die den reichgeschmückten Eingangsiwan der Moschee dominieren. Betritt man die Moschee durch diesen Iwan, gerät man einmal mehr ins Schwärmen angesichts der Hauptkuppel mit ihren floralen und sternenförmigen Mustern und harmonischen Farben. Egal, welche Kuppel man auch von innen oder außen bewundert, immer bietet sie eine andere Variation an floralen Mustern, Kaligraphien und geometrischen Formen. So schön es auch ist durch die Gassen zu schlendern, in Yazd ist klar, dass Reisende auch auf die Dächer müssen, wenn sie die Schönheit der Stadt wirklich fassen möchten. Neben einem unglaublichen Ausblick über die Altstadt gewährt ein Aufstieg auf die Dächer auch einen Blick auf Shirkuh- und Kharanaq-Gebirgszüge, die hinter den prächtigen Iwanen und Moscheen der Stadt in die Höhe ragen.

Die Stadt am Rande der Wüste ist für viele eine der schönsten Städte Irans. Unweigerlich zieht es hier Reisende auf die Dächer und manchmal können sie der Versuchung nicht widerstehen und gehen von einem Dach zum anderen. Nur, dass das bedeutet, dass man sehr schnell auf Dächern fremder Häuser herumtänzelt und das sehen die Einheimischen der Altstadt ganz und gar nicht gern. Wer hätte auch schon gerne ungefragt irgendwelche Fremden auf dem eigenen Dach? So ist auch das mittlerweile zu einer heiklen Angelegenheit geworden, weil manche Reisende wohl meinten, die Dächer der Altstadt gehören für die Zeit ihres Aufenthalts ihnen. So lassen sich auch die Schilder auf den Dachterrassen erklären, die ständig in Erinnerung rufen, dass ja nicht das Nachbardach betreten werden darf. Etwas Zurückhaltung ist diesbezüglich also angebracht. Während man durch die Gassen der Altstadt schlendert und an den Restaurants vorbeikommt, sollte man jederzeit ein Auge darauf werfen, ob nicht ein Aufstieg auf das Dach möglich ist. 

Freitagsmoschee, Masjed-e Jameh, Yazd, Iran

Heimat einer Märchensammlung

Das Stadtbild ruft Assoziationen mit den Märchen aus 1001 Nacht hervor, zumindest landen viele Reisende bei dem Vergleich, wenn sie die Schönheit der orientalischen Stadt in Worte fassen möchten. Und so weit weg von der Wahrheit sind sie damit gar nicht. Wenn auch die ersten Erzählungen aus Indien stammen, so entstand im Laufe der Zeit eine persische Urfassung der Märchensammlung 1001 Nacht. Das war vermutlich um 500 n. Chr. unter sassanidischer Herrschaft. Die vielen Erzählungen sind in eine traurige Rahmenhandlung eingebettet.

Scheherazade erzählt um ihr Leben. Nur weil sie dem König jede Nacht aufs Neue spannende Geschichten zum Besten gibt, entgeht sie dem Tod. Dass sie schließlich nach der Geburt von drei Kindern nach vielen Jahren doch nicht umgebracht wird, ist ein Akt der Gnade. Die Jungfrauen vor ihr konnten nicht auf diese Gnade hoffen. Auch wenn Yazd nicht als Heimat dieser weltberühmten Märchensammlung gilt, als Stadt Persiens hat sie Anteil daran und eine geeignete Kulisse für dieses literarische Werk wäre die Stadt ohne Zweifel.

Freitagsmoschee, Masjed-e Jameh, Yazd, Iran

Herausforderungen der modernen Zeit

In Wahrheit ist es in der Altstadt etwas zu ruhig. Das Leben findet außerhalb im neuen Teil der Wüstenstadt statt. Viele der alten Lehmhäuser stehen leer und werden nicht genützt. Eine junge Leute mit Architekturstudium im Gepäck liegt die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden am Herzen. Um als gutes Beispiel voran zu gehen, beziehen ein paar von ihnen die Lehmhäuser, auch wenn das mit einem Verzicht auf modernen Komfort einhergeht. Moderne Wohnungen sind weitaus geräumiger. Natürlich ist ein Leben in der Medina mit Unannehmlichkeiten verbunden – die absolute Wahrscheinlichkeit eines Einsturzes bei einem Erdbeben mit eingeschlossen. Aber trotzdem ist diese junge Generation daran interessiert, die Vorzüge der traditionellen Bauweise wiederzuentdecken. Und so spielen auch hier Träume eine große Rolle. Nur dass diesmal von einer belebten Altstadt geträumt wird, in der die modernen Iraner und Iranerinnen wieder ihre Liebe zur traditionellen Architektur gefunden haben.

Yazd, Iran

Religiöses in der Stadt der Träume

 Bei abendlichen Streifzügen durch die Altstadt werden Reisende früher oder später an einem grellgrün erleuchteten Platz vorbeikommen, wo eines der großen Nakhl-Holzgerüste der Stadt aufgebaut wurde. Auch auf dem Platz des Meydan-e Amir Chaqmaq lässt sich ein solches Gerüst seit einiger Zeit finden. Während der Ashura-Feierlichkeiten wird es mit schwarzen Tüchern bedeckt und ist, auf den Schultern vieler Männer getragen, ein Teil der Ashura-Riten, bei denen dem tragischen Tod Imam Hoseyns gedacht wird.

Das Holzgerüst selbst symbolisiert den Schrein des Imams. Der Meydan-e Amir Chaqmaq („Meydan“ bedeutet „Platz“) mit seiner in türkis gehaltenen dreistöckigen Fassade ist für sich schon ein Wahrzeichen der Stadt. Die Fassade stammt aus dem 19. Jahrhundert und dient immer noch als Zuschauertribüne bei den Ashura-Feierlichkeiten. Von dem Amir Chaqmaq Platz können Reisende den Weg zur modernen Stadt Yazd verfolgen. Weit außerhalb der Altstadt findet eine der weitern Sehenswürdigkeiten und zwar ein zoroastrischer Tempel. Im Inneren der Anlage befindet sich das Ewige Feuer, welches nur durch eine Glasscheibe gesehen werden kann.  

Yazd, Iran

Alle praktischen Tipps und Infos für einen Besuch des Meydan-e Naqsh-e Jahans und Esfahans findet ihr in meinem Iran-Reiseführer*, erschienen in der Reihe der Stefan Loose Travel Handbücher.

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Mehr bildliche Eindrücke vom ganzen Land findet ihr in der nunmehr zweiten Auflage meines Iran-Bildbands, erschienen bei Bruckmann.

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