Weltaufgang

Kirgistan Regenbogen, Kyrgyzstan rainbow

Kirgistan. Des Moments wegen.

Da draußen. 

Weltuntergangsstimmung.

Mächtige, grauviolette Wolken, die den Himmel beherrschen, auf der einen Seite. Die sich zurückkämpfende Sonne und ihre letzten warmen Strahlen auf der anderen.

Vor mir plötzlich. Und über dem in grün und rot aufleuchtenden Berg neben mir.

Ein Regenbogen.

Dann doch eher Weltaufgangsstimmung?

Wie elektrisiert laufe ich über die Grasebene. Diese explodierenden Farben. Ein berauschendes Spektakel und ich völlig trunken.

Was zu Beginn nur ein schwacher Schein. Das in sieben Farben gebrochene Licht. Es wird von Minute zu Minute kräftiger.

Der Regenbogen.

Auf einmal verliert er sich nicht mehr auf halber Höhe in den dramatischen Wolken, sondern thront als vollständiger Kreisbogen über dem erhabenen Bergkamm.

Ich bin völlig aufgelöst. Glücklich auch.

Ganz ohne Goldtopf.

Nur des Moments wegen. 

Kirgistan Regenbogen, Kyrgyzstan rainbow
Kirgistan Regenbogen, Kyrgyzstan rainbow
Kirgistan Regenbogen, Kyrgyzstan rainbow

Das Schwarz der Nacht beginnt sich in tiefblaue Schattierungen aufzulösen. 

Das ist es wert. Das war es doch immer.

Sich schnell überwinden, früh morgens aufstehen und dann raus. So wie man ein Pflaster abzog. Kurz und schmerzlos.

Und dann die Belohnung.

Der hell leuchtende Vollmond hoch oben am Himmel. Die Farben der Hügel und Berghänge so viel sanfter als bei Tageslicht. Die Spiegelung des mit Schneemassen bedeckten Lenin im kleinen See.

So friedlich alles. So still.

Ich will mich in den verspielten Hügeln verlieren. Gehe weiter. Vor mir plötzlich so viele grauschwarze Punkte auf dem Gras. Das ist doch? Steine waren hier gestern noch gar keine. Was also? Ich strenge meine Augen an. Tatsächlich. Yaks. Wo ich auch hinsehe. Überall Yaks. Gleich mehr als zwei Dutzend dieser wunderschönen Tiere machen sich herrenlos auf den Hügeln und der Schotterpiste breit. Und ich mitten unter ihnen.

Alle mustern sie mich. Argwöhnisch manche. Andere entspannt, aber doch aufmerksam. Langsam und ruhig bewege ich mich durch diesen Hindernisparcour voller mächtiger Fellbüschel. Allmählich wird es hell. Die Tiere ziehen gemächlich die Hügel weiter und grasen. Mittlerweile scheinen sie sich an mich gewöhnt zu haben. Finden mich weit weniger interessant als ich sie.

Das alles hier.

Ein Hauch von Magie in der Luft.

Ich jedenfalls verzaubert und sicher deswegen so sprachlos.

Gebannt sehe ich den ersten Sonnenstrahlen zu, wie sie Lenins Spitze kitzeln und dann sanft den Bergkamm entlang gleiten.

Wie der Schnee wieder rosa aufleuchtet.

Wie auch die Farben der Hügel um mich und die der Bergkette vor mir satter werden.

Wie die grasenden Yaks und ihre Fellzeichnungen nun schon besser erkennbar sind.

Wie der Mond sich zurückzieht und schließlich – nach einer ganzen Weile – das Sonnenlicht wie eine Flut hereinbricht und alles in warmes Gold tunkt.

Kirgistan Pik Lenin und Tulpar See, Kyrgyzstan Peak Lenin and Tulpar Lake
Kirgistan Pik Lenin und Yaks, Kyrgyzstan Peak Lenin and Yaks
Kirgistan Pik Lenin und Yaks, Kyrgyzstan Peak Lenin and Yaks
Kirgistan Yaks, Kyrgyzstan Yaks